Feiern

Ein perfekter Tag

Langsam werde ich erwachsen, vielleicht sogar ein bisschen spießig und sittsam. Das merke ich daran, wenn ich mal einen ganzen Tag für mich zur freien Verfügung habe.

Ein perfekter Tag beginnt dann mit Ausschlafen, Kaffeetrinken im Bett und dem Wälzen von etlichen Büchern und Zeitschriften. Danach drehe ich mich nochmals um und schlafe erneut ein halbes Stündchen. Wenn es das Wetter zulässt, gehe ich in den Garten, pfücke das Unkraut, räche das Laub, verstaue verstreute Kinderspielsachen im Gartenhäuschen und blinzle in die Sonne.

Dabei fühle ich mich fast wie im Paradies. Das liegt natürlich auch an der vielen Zeit, die mir zur Verfügung steht. Ich backe einen Kuchen, lege mich erneut ins Gras und tanke die letzten Sonnenstrahlen des Altweibersommers. Bei dem Wort fühle ich mich gleich noch etwas älter und überlege wie schnell man doch Erwachsen wird, wenn man selber Kinder hat. Man beginnt Bausparverträge abzuschliessen, hat vielleicht ein Haus mit Garten auf dem Land, liest Rezepte und grübelt monatelang über die Wahl des besten Kindergartens.

Wenn mein Leben früher schwarz war, ist es heute weiss. Schwarz wie einst die Nacht und weiss wie der heutige Tag. Das komplette Gegenteil also von heute. Ich liebte es Tanzen zu gehen, Musik zu hören, die Nacht zum Tag zu machen und je verrücktere Momente ich erlebte, desto glücklicher war ich. Ich wollte die Welt in vollen Zügen geniessen.IMGP1082
Noch heute liebe ich Literatur über das Nachtleben und eines meiner Lieblingsbücher „So was von da“ lässt mir noch immer freudige Schauer über den Rücken laufen. Wenn ich dann zufällig noch ein geniales, elektronisches Lied im Radio höre, denke ich daran den nächsten Flieger nach Berlin zu nehmen und in die heilgen Hallen des Berghains zu marschieren.

Oder ich nehme mir fest vor, nächsten Sommer auf ein Musikfestival zu gehen, drei Tage nicht zu duschen, im Zelt zu schlafen und morgens Bier zu trinken, mit ein paar Freunden zum Burning Man Festival nach Nevada zu reisen oder eine Hippie Bustour durch Amerika zu planen.

Doch irgendwie ist es auch ganz cool, angekommen zu sein. Im Hier und Jetzt. Sich zu Hause zu fühlen. Mit meinen Kindern und meinem Mann. Marmelade einzumachen, Kuchen zu backen, Kinder zu hüten und den Rasen zu mähen. Ich werde wohl nie aus dem Haus gehen und sagen: „ich gehe eben mal Zigaretten holen“. Dafür habe ich mein Leben  zu sehr angefüllt mit wilden Dingen. Zumindest früher. Heute falte ich meine Couchdecke Kante auf Kante und wische jeden Kakaofleck sofort vom Tisch.

Heute will ich Ruhe, Natur und Zeit.

Obwohl so ein Rentnerwochenende im Tomorrowland hat vielleicht auch etwas…

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2 Kommentare

  • Antworten
    Sandi
    21. Oktober 2014 at 6:22

    Herrrrrlich Isa! Obwohl ich alle Deine Texte mag… Das ist der Beste!!!

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