Chaos

Born to be blond oder der Kampf mit den Foliensträhnchen

Meine ursprüngliche Haarfarbe ist wenig glamourös und umgangsspachlich würde man sie als aschblond oder „Strassenköter“ blond bezeichnen. Um diesen Naturton aufzupeppen, habe ich schon früh angefangen, meine Haarfarbe zu pimpen. Zum Entsetzen meiner Mutter war das in der Pupertät kupferblond und ich sah danach aus wie Pumuckl höchst persönlich. Doch ich selbst fand den neuen Look in Kombination mit meinen zerschlissenen Jeans und dem Karohemd meines Bruders ziemlich cool. Schliesslich galt es ja die komplette Männerwelt zu erobern und mit orangenen Haaren dürfte dies doch ein leichtes Spiel sein. Ich sag´ nur „unique selling proposition“.
Heute ist die Motivation meinen Style zu pimpen zwar noch existent, doch im Wesentlichen geht es mir darum noch halbwegs cool mit zwei Kindern im Schlepptau auszusehen und meinen Göttergatten gelegentlich zu erfreuen.

Nachdem ich mittlerweile einen ziemlich hellen Blondton erwischt habe, muss ich alle drei Monate zum Friseur, weil mich sonst ein fieser dunkler Ansatz als nicht ganz so helle Blondine outet. Und das meine ich nicht in Bezug auf meinen IQ sondern rein auf die Farbe.

Viele werden jetzt sagen: oh toll! Ein Besuch beim Friseur. Doch dem muss ich klar widersprechen: ich hasse Friseurbesuche! Es sei denn ich darf zu meiner Lieblingsfriseuse am anderen Ende der Stadt, was leider für mich als Landei mit einem kleinen, halbtages Tripp verbunden ist. Dort darf ich dann ganz Mensch sein und mein Blondinen Image beim „Gala“ lesen und Kaffeetrinken pflegen.

Doch im Normalfall muss ich ersmal die Kinder beim Babysitter oder den Grosseltern zwischenparken und parallel einen Termin koordinieren, was sich manchmal als sehr schwierig gestaltet. Wenn ich diese Hürde gemeistert habe, erwartet mich ein Tempel der Ruhe, wo ich gefühlte tausend Foliensträhnchen mit juckenden Bleichmittel auf den Kopf gedrückt bekomme. Beim späteren Rausziehen verheddern sie sich so herrlich in den Haaren und lassen einen für jedes neue Strähnchenglück büßen. Danach werden die feuchten Haare gekämmt, wobei jedesmal meine Ohren als ein lästiges, herausstehendes Etwas einfach mitgekämmt werden.

Das finale „Finish“ mit Heissluftföhn inklusive angekokelter Kopfhaut weiss ich mittlerweile schlau zu umgehen, indem ich meine Haare selber trocken föhne. Nach stundenlangen Stillsitzen darf ich mich nun endlich wieder bewegen und wir nähern uns dem Ergebnis. Wenn ich zum Schluss dann noch ermahnt werde mit den Worten „Die sind aber noch nass, die Haare!“, dann weiss ich spätestens jetzt, dass es Zeit ist zu gehen und den horrenden Preis der blonden Freude zu bezahlen. Da sagt einer nochmal: Blondinen haben es leichter im Leben!

Natürlich könnte ich dem Ganzen ein Ende setzen und das Blond rauswachsen lassen. Das bessere Übel wäre dann ein grauenhaftes Color Blocking von Kackbraun zu allmählich rauswachsenden, hippen Surferblond und darauf habe ich auch keinen Bock. Echt jetzt!

Übrigens: ich muss gleich weg, denn ich habe noch einen Termin.

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